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Rossmann reloaded.

Leben in Zeiten von Corona.
Das Leben ist.

Achtung 1: Werbung! Achtung 2: Fäkalsprache!

Gestern, ganz früh, war ich wieder bei Rossmann. Eine kleine Gruppe wartet geduldig in der Kälte, bis der Laden aufmacht. Klopapierjagd. Ich bin die einzige Vermummte, ausser mir sind noch zwei Frauen und drei Männer da. Wir beäugen uns. "Guten Morgen!" rufe ich fröhlich durch meinen Mundschutz. Die Anderen gucken etwas peinlich berührt. "Gehe ich Recht in der Annahme, dass wir alle das Selbe wollen?" frage ich weiter. Die Männer und eine der Frauen rücken von mir ab.

 

Die andere Frau und ich kommen dafür ins Gespräch. Und nicht in Irgendeines. Sie erzählt mir von der 11 Jahre dauernden Pflege ihrer dementen Mutter, die bis zu ihrem Tod 11 Jahre lang ihre Kriegstraumata durchlebt hat, von der Kriegsgefangenschaft ihres Vaters, und dass wir es doch so gut haben. "Wir müssen unsere Wohlstandsärsche einfach mal hochkriegen!" höre ich mich sagen. Und erzähle ihr, wie beeindruckt ich von den Kommentaren meiner Mutter bin, die immer sagt: "Meine Güte, das überrascht mich alles nicht. In den Kriegsjahren hatten wir wirklich gar nichts, nicht nur Lieferprobleme. Man muss halt flexibel sein. Wir haben doch noch so viele Alternativen!"

 

Die Frau und ich fangen an, uns Alternativen zu Toilettenpapier zu überlegen (alte T-Shirts, Bettlaken, Zeitungen...). Wir kommen uns bei diesem kurzen Austausch näher, als es beim Einkaufen vor Corona jemals denkbar gewesen wäre. Beide haben wir feuchte Augen. Am Ende bekommt dann keiner von uns die begehrte Fracht, denn die Lieferung erfolgt erst am nächsten Tag. Egal. Es hat sich gelohnt. Ich winke meiner neuen Bekannten zu und mache mich auf den Weg zu Rewe, Aldi, Netto und Penny. Und werde in zwei Geschäften fündig. Kaufe für zwei Haushalte (ich kaufe natürlich auch für meine Mutter ein) zwei Pakete Toilettenpapier. Kein Triumph. Es ist mir nicht mehr wichtig.

 

Ich habe etwas viel Wichtigeres ganz ohne Geld bekommen. Austausch. Kontakt. Und Dankbarkeit.

 

Ich verneige mich vor der Generation unserer Eltern, vor den Großeltern, und vor allen davor. Was haben sie gestemmt in den Jahren der Entbehrung? Der Satz "Damit es unsere Kinder mal besser haben" ist keine Worthülse. Es steckt so viel Liebe und Hingabe darin, dass es mir warm ums Herz wird.

 

Für diese Menschen, vor allen Dingen, bleiben wir zu Hause und versuchen, die Kurve niedrig zu halten. Das braucht es jetzt.

Vorfahren stärken uns den Rücken.
Für sie alle.

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