Blasenstrom oder die Wandlung des Schmerzes

Jin Shin Jyutsu Blog - Für alle, die gern lesen :-)

 

Intro: Ich habe Jin Shin Jyutsu im Jahr 2000 kennen gelernt. Seither wende ich es täglich an mir selber an und ströme auch Andere (zeitweise, genauer gesagt: 10 Jahre lang, sogar in eigener Praxis). Es ist ein Lebensstudium, das wurde mir sehr schnell klar, und es ist wunderbar, diesen Weg zu gehen und immer wieder neue Aspekte kennen zu lernen.

 

Der Jin Shin Jyutsu Blog ist eine Sammlung meiner Studien und Gedanken zu einzelnen Themenkomplexen, Energieschlössern oder Strömen. Die Texte sind geeignet für alle, die Jin Shin Jyutsu bereits kennen, aber auch für Diejenigen, die gern über das Leben als Solches philosophieren.

 

Seit 2018 studiere ich Jin Shin Jyutsu im Online Studienkreis bei Matthias Roth. Die monatlichen Lektionen und Übungen, verbunden mit einem monatlichen Live-Frage-Webinar, haben mir eine neue Dimension des Jin Shin Jyutsu eröffnet. Ich lerne alles, wirklich alles, noch einmal neu zu sehen und zu spüren.

 

Die wertvolle Begleitung durch Matthias ist einfach Gold wert, denn für mich ist er als Lehrer so un-guruhaft, wie ich es mir nur wünschen kann. Ich kann und darf hier immer wieder aufs Neue selber Antworten finden und darauf vertrauen, dass es immer anders ist, als ich es mir gerade selber zurechterzählt habe. Mit viel Hingabe und Humor eröffnet sich mir monatlich ein weiteres Stück Verständnis und Begreifen. Ich zitiere in meinen Texten aus meinen Emails an Matthias, weil ich finde, dass dies den Prozess sehr gut beschreibt.


Johanna Wienzek Blasenstrom
Die Blasenfunktionsenergie - Weichheit und Weite

Der Blasenstrom oder die Wandlung des Schmerzes

 

"Das Leben meint es gerade richtig gut mit mir, vielleicht auch, weil ich es gerade richtig gut mit mir meine." (Hier zitiere ich ausnahmsweise mich selbst...)

 

Der Blasenstrom, so ist es bereits in Selbsthilfebuch 1 von Mary Burmeister nachzulesen, ist ein Basic. Ein Strom, der jeden Tag zur Klärung der rückwärtigen Energie angewendet werden kann. Seite 48 – 52, einfache Anwendung, hilft bei Rückenschmerzen, Ansammlungen jeder Art und Angstprojekten. Das, und natürlich noch jede Menge anderer „Rezepte“, hatte ich mir im Laufe der Jahre (Jahrzehnte?) dazu notiert, und den Blasenstrom auch oft geströmt, jedoch wartete er mit seinem ganz persönlichen Zauber auf mich, bis ich so weit war.

 

Ziemlich genau vor einem Jahr, zu Beginn des Lockdown (man muss ja mittlerweile sagen: des ersten Lockdown), stellte ich Matthias eine Frage, deren Beantwortung mein Leben für immer verändern sollte. Das wusste ich damals zwar noch nicht, aber ich bin unendlich froh, dass ich mich darauf eingelassen habe. Es begann mit dem Kapitel über SES (Sicherheitsenergieschloss) 21 und meine Fragen des Monats an Matthias. Eigentlich hatte ich „nur“ etwas zur 21 fragen wollen, aber ich hatte auch Rückenschmerzen, also dachte ich, ich könnte Matthias doch um einen Tipp bitten.

 

Auszüge aus meiner Email:

„Lieber Matthias, zuerst möchte ich Dir ein wunderschönes Osterfest wünschen, mit allem, was das Thema "Auferstehung" verheisst.

 

Ich danke Dir so sehr für Deine Reihe "Ressourcen für diese Zeiten"! Die Videos erden mich immer wieder, wenn der Verstand davongaloppiert. Es ist eine echte Herausforderung in jeder Zeit, aber in dieser Besonderen sowieso, immer wieder bei mir zu landen und mich zu fragen: "Wie geht es mir jetzt, in diesem Augenblick?" Und die Antwort darauf ist meistens, dass es mir sehr gut geht - solange ich meinen Kopf und meine Gedanken ruhig halten kann. Das geht natürlich nicht auf Knopfdruck, und ich übe. Und übe. Und übe.

 

(…) Meine Frage heute: seit Anfang des Jahres habe ich schwankend starke Rückenschmerzen, genauer gesagt, habe ich das Gefühl, dass ich von der linken 2 ausgehend immer mal wieder "versteinere", es strahlt dann bis zum 12 Brustwirbel aus. Ich bin teilweise so starr und steif, dass ich meine Yogaübungen nicht machen kann und sogar die Leiste ist manchmal schon schmerzhaft betroffen. Natürlich habe ich das schon aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, ströme viel 4. Tiefe und 3. Tiefe (für mehr Weite und Beweglichkeit) und frage mich, welche Ursachen das Ganze haben kann, neben der Anspannung und Angst in Corona-Zeiten, die sicherlich auch mit hineinspielen. Die Schmerzen in der 2 sind jedoch auch früher schon immer wieder mal ein Thema gewesen, also sehe ich die Corona-Zeit lediglich als Vestärker an.

 

Was schreibe ich mir da in meinen Körper? Das gibt mir wirklich zu denken. Eingedenk der 21 glaube ich fest daran, dass es möglich ist, die Freiheit in allen Gliedern zu spüren - aber wie schaffe ich es, nicht vom Kopf her zu agieren? Ich frage nicht nach einem "Was kann ich 'dagegen' strömen?"-Rezept, das ist hoffentlich klar, vielmehr interessiert mich, was Du spontan für eine Assoziation dazu hast.

(...) Mit herzlichen Grüßen, Johanna“

 

Matthias nimmt sich für die Beantwortung meiner Frage sehr viel Zeit. Er empfiehlt mir den Blasenstrom, „ganz klassisch“, wie er sich ausdrückt. Aber die Art, WIE er diesen Basic-Strom erläutert, begeistert mich sofort ganz neu. Er spricht von einem Wasserfall, der den Rücken hinunterstürzt, von Sicherheit, die ich in mir spüren kann. Der Blasenstrom verströmt sich, spült alles mit, alles hinfort, was das Wasser mit sich führen kann, und spült meine Reserven doch nie vollkommen leer, denn das Wasser des Lebens, das Wasser des Blasenstroms macht mich weich, spült mich weich und sorgt immer für einen soliden Bestand in meinen Zisternen.

 

Er gibt mir die Möglichkeit, mich zu verströmen, und gleichzeitig auch alles, was ich benötige, für mich zu behalten. Es gibt kein „Entweder – Oder“, sondern ein „Sowohl – Als auch“! Es gibt keinen Mangel! Meine Kraftreserven werden immer gefüllt, meine inneren Verhärtungen weichen auf und ich werde geschmeidig und kann voller Hingabe dem Leben begegnen.

 

Ganz wunderbare Worte und Gedanken, die ich in dieser Fragestunde von Matthias bekomme. Ich bin zutiefst berührt von dieser Sichtweise des Blasenstroms. Matthias rät mir, den Strom, und nur diesen, zwei Mal täglich zu strömen. Gründlich und ausdauernd, mindestens sechs Wochen lang. Ich beginne noch am selben Abend. Und erlebe bis dahin Ungekanntes.

 

Meine nächste Email an Matthias:

„Lieber Matthias, ich bedanke mich ganz herzlich für Deine sehr einfühlsame Antwort auf meine Frage und nehme sehr gern Dein Angebot an, Dir eine Rückmeldung zu schicken. Ich bin so was von hin und weg vom Blasenstrom! Das wird Dich sicher nicht wundern...

 

Im Ernst, ich habe ihn in den letzten 20 Jahren natürlich geströmt, aber er hatte bis dato noch nicht "mit mir gesprochen".

 

Nun muss ich dazu sagen, dass mir bislang auch noch keiner so schön vom Blasenstrom erzählt hatte wie Du. Ich hatte immer die Angst im Fokus und nicht das Weichwerden und das „Sowohl - Als auch“. Ich habe bereits beim Zuhören während des Webinars angefangen, den linken Strom zu strömen, und ich konnte sofort dieses Weiche fühlen, von dem Du gesprochen hast. Toll, dachte ich, das klappt ja super.

 

Aber! Dann kam der nächste Tag. Ich spürte den Schmerz tatsächlich nicht mehr so stark körperlich, dafür tat das Weiche (neu Aufgeweichte?) in mir auf einmal emotional soooo weh! Es war kaum auszuhalten. Und zack! - waren die Rückenschmerzen wieder heftiger. So geht das jetzt (teilweise) im stündlichen Wechsel: wenn es auf der emotionalen Ebene zu stark und heftig wird, übernimmt der Körper wieder den Schmerz, und wenn es wieder weitergehen darf, sind die Rückenschmerzen fast weg.

 

Und so diffundiert der Schmerz gerade hin und her. Ich bin total fasziniert, denn erstmalig begreife ich den Schmerz nicht als meinen Feind, sondern als Freund, der immer dann einspringt, wenn eine meiner diversen Ebenen es gerade nicht alleine tragen kann.

 

Ist es vielleicht das, was Mary meinte mit "Listen only to harmony"? In jedem Fall fühle ich mich wie bei einem kompletten Umbau, teilweise bin ich so müde, dass ich nichts auf die Reihe kriege, teilweise ist es aber auch so, dass ich glasklar sehe, wo ich mich selber einschränke und kann es dann ändern. Wundervoll.

 

Der Prozess dauert an, und ich sehe jetzt schon, nach einer Woche, so viele Veränderungen! Mein Körper hatte mir schon so lange immer wieder geduldig Hinweise gegeben, aber ich konnte sie nicht verstehen, weil es eben noch nicht dran war. Ich freue mich auf das, was da jetzt durch die geöffneten Türen kommt und genieße diese Zeit zwischen den Zeiten, denn so empfinde ich es gerade. (…)“

 

Und so ströme ich in der Folgezeit mindestens zwei Mal am Tag diesen Strom, ich kann gar nicht genug bekommen von dieser neuen Art, mich aufs Strömen einzulassen. Ich hatte mir in unzähligen Jin Shin Jyutsu Kursen dazu notiert: „Bei Ansammlungen jeglicher Art anwenden“. Interessant! Ich hatte davon immer eine völlig andere Vorstellung gehabt, als das, was nun geschieht.

 

Ich beginne plötzlich, meine Schränke zu entrümpeln. Ich verkaufe diverse Kleidungsstücke, Meterweise Stoffe (ich nähe seit vielen Jahren und habe natürlich auch viele Stoffe „auf Halde“ liegen), spende Bücher, die nicht mehr gelesen werden wollen, Hausrat, den Andere viel besser gebrauchen können, und ja, auch mein Adressbuch ist dran: zwei Freundschaften, die ihre Zeit gehabt hatten, gehen in dieser Zeit zu Ende. Ohne Tränen, ohne Zögern. Weil es dran ist!

 

Auch dies sind Ansammlungen, die unter Umständen schwer wiegen können. Aber auch auf der körperlichen Ebene tut sich sehr viel. Der Rücken wird immer geschmeidiger. „Ansammlungen“ lösen sich auch auf: seit Jahren hatte ich immer wieder mit Hornhaut auf den Fersen zu tun, und auf einmal habe ich zarte, weiche Füße. Das fällt mir erst auf, als ich zufällig einen Blick darauf werfe. „Das Wunder des Blasenstroms!“, denke ich.

 

Der Blasenstrom, der mich weich spült, öffnet in meinem Inneren noch weitere Tore. Ich hatte immer in einer selbst auferlegten Mangelhaltung gelebt. „Nein, nein, das reicht doch! Ich brauch gar nicht so viel.“ Warum und woher ich diese Glaubenssätze in mir festgemeißelt hatte, vermag ich nicht zu sagen. Es ist auch unerheblich – ich spüre, dass sie aufweichen, dass ich mir immer mehr von dieser vielgepriesenen „Fülle“, die besonders in der spirituellen Community besungen wird, zulassen kann.

 

Mein Mann und meine Mutter telefonieren heimlich miteinander und beschliessen, mir eine superduper Luxusmatratze zum Geburtstag zu schenken. Sie möchten nicht, dass ich mit Rückenschmerzen leben muss. Ich schmelze dahin! So ein Luxusteil!

 

Ich kann es mit offenem Herzen annehmen und mache meine nächste wichtige Erfahrung:

 

Wenn ich der Weichheit mit Härte begegne, endet es im Schmerz.

 

Die erste Nacht auf der neuen Matratze ist der reinste Horror. Sie ist weich und fluffig und passt sich dem Körper in jeder Haltung an. Meine Vorstellung davon war gewesen, dass ich mich hineinlege und alles wird gut. Auf Knopfdruck. Doch leider sind meine Rückenschmerzen nach dieser ersten Nacht schlimmer denn je, ich bin froh, als ich endlich aufstehen „darf“.

Die zweite Nacht ist nicht besser, und ich denke bereits heimlich daran, die Matratze zurückzugeben und die alten Zustände wiederherzustellen. Und noch während ich darüber brüte, wird mir klar, dass es nichts Banales gibt. Diese Situation lässt sich auf alles Andere im Leben übertragen. Die Matratze ist weich und anschmiegsam. Auf diese Art von Weichheit muss ich mich erst einzulassen lernen.

Mein Rücken, eigentlich mein ganzer Körper, ist hart und angespannt, und wenn diese Härte nun auf die Weichheit der Matratze trifft, kollidieren Welten. Erst, als ich mich stufenweise auf die neue Weichheit einlasse, merke ich, wie ich mehr und mehr in die Entspannung gehen kann.

 

Eine Matratze als spirituelle Lebens-Lehrerin? Warum nicht? :-)

 

Bereits in der dritten Nacht kann ich mich entspannen. Der Blasenstrom bleibt noch weitere zwei Monate mein täglicher Begleiter, und die „neue Weichheit“, die ich auch dank der Matratze üben kann, verändert etwas in mir.

 

Auszug aus einer Email an Matthias:

„(…) erst einmal danke ich Dir nochmal ganz besonders für Deine Schubkraft beim Blasenstrom.

 

Ich möchte gern allen, die das noch nicht ausprobiert haben, an dieser Stelle wärmstens empfehlen, Deinen Tipp zu beherzigen und einen Strom / ein Projekt ganz langsam, achtsam, tief und intensiv zu strömen. Wundervoll. Und auch ganz schön heftig! Mir war der Blasenstrom natürlich schon begegnet, aber nicht in dieser Form. Ich spüre förmlich, wie er Verhärtungen aufweicht, und zum ersten Mal kann ich ihn mit Weichheit und Weite assoziieren statt mit Angst und Rückenschmerzen. „Strömen ohne Feinde“ halt. (Anmerkung: das bezieht sich auf ein Zitat von Matthias) Die Auswirkungen sind sehr tiefgreifend, die Schmerzen diffundieren vom Körper in die Emotionen und zurück, und ich könnte mir ein Schild umhängen: "Wegen Umbau bleibt diese Filiale vorübergehend geschlossen."

 

Ich bleibe dran, es ist noch ein Weg zu gehen. Ich freue mich schon darauf, was noch alles passieren mag, denn meinem Rücken geht es schon viel, viel besser, ich mache sogar wieder Yoga ohne nennenswerte Schwierigkeiten und überhaupt ist so viel in Fluss gekommen, auch im Aussen! Faszinierend! (würde Mr. Spock sagen).

 

Danke. (…)“.

 

Im Folgemonat ist die 4. Tiefe das Thema im Online Studienkreis. Der Blasenstrom ist einer von zwei Organströmen der 4. Tiefe, und so fliesst es thematisch ineinander. Ich bin immer noch mit dem gründlichen Strömen des Blasenstroms beschäftigt.

 

Auszug aus meiner Email:

 

„(…) ich bin so dankbar, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Vor zehn Jahren (beispielsweise) hätte ich Deine Sichtweise der vierten Tiefe vermutlich gar nicht so annehmen können. Heute jedoch jubelt alles in mir: Ja! Ja! Genau! DAS ist die vierte Tiefe! Das Merkurische, Hermetische, Quecksilberhafte kann ich sehr gut fühlen. Du hast mir ein Gespür dafür vermittelt, wie intakt ich doch bin, auch wenn ich immer denke, meine "Baustellen" werden mehr statt weniger.

 

Auch wenn ich keine Tarot-Expertin bin, weiss ich doch genug, um mich zu erinnern, dass der Narr an seinen Schuhen die Hermes-Flügelchen trägt. Er springt voller Vertrauen und mit Schalk und Freude in den Abgrund, wohlwissend, dass "es" trägt. Dieser Narr in mir ist zur Zeit sehr präsent, ich springe und das Leben meint es gerade richtig gut mit mir, vielleicht auch, weil ich es gerade richtig gut mit mir meine.

 

Und es ist auch wieder viel körperlicher Schmerz da. Ich ströme weiterhin den Blasenstrom nach Deiner Empfehlung, morgens und abends, und es sieht so aus, dass ich noch eine Weile damit weitermache, weil es sich einfach gut und richtig anfühlt. Es fliesst. (...)“

 

Irgendwann im Herbst merke ich, dass die Speicher sozusagen erst einmal gefüllt sind. Dieses tiefe, drängende Verlangen, den Blasenstrom zwei Mal täglich zu strömen, beginnt abzunehmen. Ich beginne wieder, andere Ströme (neu) für mich zu entdecken. „Gut so!“, denke ich, denn ich möchte nicht vom Kopf her strömen, sondern aufgrund meines Fühlens.

 

Der Blasenstrom hat mich weichgespült. Ich habe nur noch ab und zu Rückenschmerzen, und dann kann ich sie gut annehmen. Ich weiss ja, was zu tun ist.

 

In diesen Monaten habe ich die tiefgreifende Erfahrung gemacht, dass körperlicher Schmerz und emotionaler Schmerz nicht getrennt voneinander sind. Sie sind lediglich eine andere Spielart, eine andere Ausdrucks-Ebene.

 

Und ich habe einen ganz neuen Respekt für die Weisheit meines Körpers gewonnen. Er ist mein Freund! Ich habe nur diesen einen Körper, und ich lerne gerade, ihm auf neue Art und Weise zuzuhören. Und zu vertrauen.

 

(C) Copyright Johanna Wienzek


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Wie oben, so unten.